Aufrichtige Unwissenheit

Aufrichtige Unwissenheit

26. Mai 2013
Tobias
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Du hörst den An(ge)dacht Podcast mit der Episode: Aufrichtige Unwissenheit

Mir begegnen viele Menschen, die scheinbar genau wissen wo es lang geht im Leben. Sie haben einen festen Standpunkt und eine klare Meinung zu den verschiedensten Themen. Das finde ich gut, und bewundere es auch. Doch manchmal habe ich auch den Eindruck, dieser Standpunkt stand schon lange nicht mehr auf dem eigenen Prüfstand. Ich meine, manchmal beschleicht mich das Gefühl, derjenige vertritt seinen Standpunkt nur so massiv, weil er das schon immer so getan hat.

Er hat ihn einmal als richtig erkannt und in sein Lebenskonzept übernommen. Und nun ist er felsenfest in der eigenen Denkstruktur verankert. Ach wenn das sicherlich an manchen Stellen sehr sinnvoll und gut ist, sollten wir uns doch eine gewisse Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Gedanken und Sichtweisen bewahren. Und das bei allen Themen des Lebens. Auch wenn es um Glaubensüberzeugungen geht.

Warum? Weil wir alle – jeder Mensch immer nur einen Teil, einen bestimmten Abschnitt der Wahrheit erkennt. Wir erkennen nur in unserem eigenen Rahmen, unserem eigenen Denkmuster. Es ist demnach sehr wahrscheinlich, dass wir verschiedene Details zu einem bestimmten Thema, bei der Bildung unseres Standpunktes übersehen. Daher ist es sehr sinnvoll, denke ich, seinen Standpunkt immer wieder auf den Prüfstand stellen zu lassen – sich hinterfragen zu lassen. Weil ein anderer einen anderen Teil der Wahrheit erkennt, der mir bisher verschlossen blieb.

Diese Haltung – den eigenen Standpunkt und die Sichtweise mal zurückzustellen, kann man auch mit „aufrichtiger Unwissenheit“ beschreiben. Der Philosoph und Pädagogen John Dewey hat mal folgendes gesagt:

Aufrichtige Unwissenheit ist durchaus nützlich, weil sie meist von Demut, Neugier und Aufgeschlossenheit begleitet wird; die Fähigkeit Schlagworte zu wiederholen, Phrasen zu dreschen und allgemein bekannte Thesen aufzuführen, erweckt den Anschein von Bildung und lackiert den Verstand, wodurch er gegenüber neuen Gedanken wasserfest wird.

Diese Aufrichtige Unwissenheit kann ich bei Nikodemus (Joh. 3, 1-21) erkennen, als er zu nächtlicher Stunde das Gespräch mit Jesus suchte. Die Art, wie er mit Jesus sprach. Die Fragen, die er stellte. Das alles verrät seine “vorsichtige” Aufgeschlossenheit.

Mich überrascht seine offene Haltung. Die meisten seiner pharisäischen Landsleute steckten so tief im religiösen System der damaligen Zeit fest, dass sie alles, was Jesus sagte oder tat, als Angriff und Gotteslästerung betrachteten. Für sie schien alles klar auf der Hand zu liegen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. …

 

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